Gigantisch!

September 28, 2008  von Andrea  •  Inline-Skating

Das war es nun, mein erstes großes Marathon-Wochenende! Aktiv als Teilnehmer beim Inline-Skate-Marathon, und passiv als Zuschauer am Tag darauf beim Marathon der Läufer. Der Bericht könnte jetzt etwas länger werden ;-)

Freitag, 26. September 2008

Dieses Event bedurfte ausgiebiger Planung!

  • Ziel 1: alles so planen, dass der Renntag nicht zu hektisch wird
  • Ziel 2: nicht vom Besenwagen eingesammelt werden (Zwischenzeiten dürfen nicht auf eine Endzeit von >2:30:00 schließen lassen)
  • Ziel 3: wenn´s irgendwie geht, es nicht zu so einer Quälerei kommen lassen wie in Hamburg im Juli (siehehier)
  • Ziel 4: Spaß haben :-)

Und damit das alles eintreffen konnte, hab ich meine Tasche gepackt mit lauter lebenswichtigen Dingen wie Blasenpflastern, Desinfektionsspray, Zugtickets, Energieriegel, Garmin Forerunner 305, Isostar Long Energy (extra in der Apotheke bestellt), Anmeldebestätigung, Wundsalbe, genaue Anfahrtsbeschreibung von Stephanie, Kamera, Sonnenbrille, …, …, …
Am Ende war die Tasche ganz schön schwer.

Seit meinem Inline-Marathon in Hamburg stand ich übrigens nur ein einziges Mal auf Skates… und ich fühlte mich noch ziemlich geschafft vom Lauf letzte Woche in Leipzig. Ich war also optimal vorbereitet.

Sonnabend, 27. September 2008

Anreise

  • 6.30 Uhr ging´s in Gera am Hauptbahnhof los, wollte mal wieder Zug fahren
  • Im ICE ab Leipzig hatte ich ´nen Platz am Gang reserviert bekommen – obwohl ich Fenster bestellt hatte und noch massig Fensterplätze frei waren *grummel*
  • In Berlin lautete meine erste Priorität: Startunterlagen abholen! Dann könnte ich es etwas ruhiger angehen lassen.
  • Also auf in die (nach meinem Empfinden) Berliner Pampa zur Messe “Berlin Vital”. Der kostenlose Shuttlebus ab der U-Bahn-Station war “leicht” überfüllt, die Straßen auch. Kein Wunder – die Läufer mussten ihre Unterlagen ja auch noch holen.
  • Die Messe an sich wäre sicher interessant gewesen, wenn es nicht so wahnsinnig voll gewesen wäre! Und nein, ich möchte kein Laufshirt zum Sonderpreis, und ich möchte auch keinen grellgelben Energy-Drink probieren. So ´nen Riegel hätte ich mitgenommen, aber der wurde mir ja nicht angeboten. Gemein. So langsam wurde meine Tasche immer schwerer.
  • Bei den Skatern gab´s gar keine Schlange, so dass ich schnell zu meinen Unterlagen und meinem Zeitmesschip kam.
  • Jetzt konnte ich noch mein bestelltes Finisher-Shirt abholen. Sogar schon vor dem Finishen! Auch praktisch. Und ein Goodie-Bag bekam jeder. Mit Werbegeschenken usw.
  • Dieses Chaos wollte ich mir nicht länger antun, also machte ich mich auf zu meiner Unterkunft, die mir die Stephanie liebenswerterweise zur Verfügung gestellt hat.
  • An der Wohnung angekommen, war ich total erledigt. Unglaublich, wie schwer so eine Tasche werden kann! Und ich hatte ja noch das Rennen vor mir! Oh Gott.
  • Noch was essen (belegtes Baguette mit Salami und Käse, ´ne Banane, ´nen Müsliriegel) und noch etwas ausruhen. Puh.

Vor dem Rennen

  • Nur noch mit dem nötigsten ausgestattet ging´s in Richtung Start-/ Zielbereich am Brandenburger Tor.
  • Das “Inline Village” glich erstmal einer Fressmeile. Na gut, paar Stände mit Inline-Skates gab´s auch. Und einen Family-Reunion-Bereich.
  • Ich begab mich recht zügig in den abgesperrten Bereich, in den nur noch die Skater dürfen. Dort tummelten sich schon eine ganze Menge Leute, die sich gerade umzogen, noch etwas entspannten, oder sich warm liefen. 7.685 Skater (größtes Inline-Rennen der Welt!) sollten an den Start gehen – ich wollte mir gar nicht vorstellen, wie das ist, wenn sich dort 40.000 Läufer auf ihr Rennen vorbereiten!
  • Die Stimmung dort war irgendwie ganz eigenartig entspannt und nervös zugleich.
  • Knapp eine halbe Stunde vor dem Startschuss hab ich dann meinen Kleiderbeutel abgegeben und mich mit vielen anderen auf den Weg zum Start gemacht.
  • Aufgrund meiner grandiosen Leistung beim Marathon in Hamburg wurde ich Startblock G zugewiesen. Das war übrigens der für die langsamsten Skater ;-)
  • Ich hatte auch Gelegenheit, die Kleiderordnung unter die Lupe zu nehmen. Modern ist es offenbar, sich Plüschtiere, Gummienten oder bunte Antennen auf den Helm zu stecken. Die Helmpflicht wurde auch unterschiedlich interpretiert: Vom Fahrradhelm, Hockeyhelm, Militärhelm bis zum Mopedhelm war alles dabei.


Das Rennen

  • Es gab ja nun mehrere Startschüsse, für jeden Startblock einer. Für uns ging´s also ziemlich spät los ;-)
  • Startschuss – langsames Losrollen – Überqueren der Matten für die Zeitmessung – und auf in Richtung Siegessäule, die 0,6km nach dem Start auf uns wartete! Und viele lärmende Leute an der Strecke, toll!!
  • Mann, war das voll! Und eng! Es war nicht so einfach, eine Position zu finden. Aber ich fühlte mich gut konnte recht entspannt mitskaten.
  • Überall Leute an der Straße! Besonders im Bereich Kreuzberg/Neukölln standen sehr enthusiastische Leute am Rand. Da hab ich doch gern mal mein Tempo reduziert zum Abklatschen von vielen Kinderhänden. Da war die Freude groß!
  • Hab schnell die Hinweise der vor mit skatenden Teilnehmer gelernt: Arme hoch – Abbremsen! Vorsicht!, Arme nach Rechts/Links – Anzeige von Kurven. Und das war echt nützlich bei so vielen Leuten. Oft wurden schnell die Arme hochgerissen, wenn einer gestürzt ist.
  • Komisch fand ich, dass es kaum Schilder für die zurück gelegten Kilometer gab. Das erste erst bei Kilometer 35. Ich schaute das erste mal nach 17 Kilometern auf meinen Forerunner – was mich total überraschte! Schon 17km geschafft?? Cool!
  • Bei Kilometer 20 bin ich gestürzt. Mist. Mein rechter Skate ist mit dem eines anderen Skaters kollidiert. Gleichgewicht verloren – nach hinten gefallen – die obligatorische Schürfwunde am Hintern abgeholt – und schnell ging´s weiter. War nicht schlimm.
  • Bei Kilometer 22 bin ich gestürzt. Mist, Mist, Mist. Mein linker Skate ist mit dem eines anderen Skaters kollidiert. Gleichgewicht verloren – nach rechts auf den Asphalt geknallt – heftig Knie und Ellbogen aufgeschürft. Das war ´ne ganze Ecke schlimmer!
  • Das Publikum nahm übrigens lieb Anteil an meinem Schicksal mit mitleidigen “Oooooh!”- oder “Autsch!”-Rufen oder Fragen nach meinem Befinden. Und die Skater hinter mir haben sicher die Arme hochgerissen.
  • Nun ja. Es ging weiter. Komischerweise tat mir kaum was weh. Und den Zuschauern hab ich auch etwas Action geboten. Die gegnerische Unfallpartei blieb übrigens beide Male stehen und damit unverletzt.
  • Bei Kilometer 23 hätte ich in Stephanies Wohnung abbiegen können, wenn ich eine Pause hätte haben wollen – da ging´s nämlich direkt dort vorbei am Rathaus Schöneberg (dort hat JFK seine berühmte Rede gehalten).
  • Ich kümmerte mich dann hauptsächlich um meine Versorgung. Sowas wie in Hamburg sollte nich nochmal passieren. Hab artig das Elektrolytgetränk mit Chemie-Geschmack (sollte Orange sein) zu mir genommen und an den gummiartigen Powerbar-Riegeln gekaut.
  • Vom Besenwagen werd ich nicht mehr eingesammelt, da war ich mir mittlerweile sicher. Also neues Ziel: NICHT nochmal stürzen! Das kostete mich sicher Zeit, weil ich deutlich zaghafter überholte und mich nicht mehr so an die anderen rantraute.
  • Irgendwie verflog das Rennen. Plötzlich kamen schon die Schilder mit Kilometer 35, 38 usw. Das animierte mich zu einer Tempoverschärfung – ich fühlte mich nämlich noch richtig gut!
  • Ab dem Potsdamer Platz gab´s noch mehr Leute am Streckenrand. Das Ende war schon toll! Unter den Linden, durch das Brandenburger Tor, und den Rest der Zielgerade in Richtung Ziel. Allein dafür hat sich der ganze Aufwand gelohnt!

Nach dem Rennen

  • Gleich nach dem Zieleinlauf hat jeder seine Finisher-Medaille bekommen. Und eine große gelbe Folie, um ein Auskühlen zu verhindern. Die hab ich übrigens mit heim genommen – ich liebe Souveniers ;-)
  • Ich hab mich dann erstmal in die Hände der medizinischen Personals begeben. Ich wollte nämlich meine Klamotten nicht mit dem Blut verschmieren.
  • Und dann: Kleiderbeutel wieder abholen, An- bzw. Umziehen, Zeitmesschip abgeben, in Richtung Wohnung verschwinden. Duschen.
  • Moment: Duschen? Nee, dann wird ja mein Verand nass! Und trotz aller Vorsichtsmaßnahmen hab ich natürlich kein Verbandszeug mit! Also kein Duschen. Eher Waschen ;-)

Ergebnis

  • 7.685 Teilnehmer
  • Zielzeit (Netto)    01:53:51
  • Platz (Gesamt)        3.776 von 5.588 (–> sind nur so wenige angekommen??)
  • Platz (Frauen)        944 von 1.670
  • Platz (Altersklasse)    200 von ??

Mir ging´s nicht wirklich um´s Ergebnis, eher um´s Erlebnis. Freu mich trotzdem über die Zeit, die mich beim nächsten Mal im zweit-langsamsten Startblock starten lässt ;-)

Abend

  • Ich war dann nochmal am Brandenburger Tor. Dort war ja noch einiges los. War eine schöne Abendstimmung, “The Sweet” verbreitete 70er-Jahre-Stimmung, und für mich gab es eine XXL-Laugenbretzel. Mjam.
  • Wieder “zu Hause” hab ich nochmal meine Wunden versorgt. Und Wundsalbe draufgeschmiert. Und DAS hätte ich besser nicht getan! Ab dem Zeitpunkt tat es nämlich richtig weh und raubte mir den Schlaf. Na super.

 

Sonntag, 28. September 2008

  • Da ich nun einmal in Berlin war, wollte ich mir auch den Marathon der Läufer nicht entgehen lassen.
  • Etwa 8.30 Uhr befand ich mich am Start. Und fand noch einen super-Platz direkt am Geländer, tadaaaa!
  • Das war aufregend! Erst starteten die Rollstuhlfahrer, dann die Handbiker. Und die Läufer machten sich warm.
  • Und ich hab sie alle gesehen: Haile Gebrselassie, Irina Mikitenko und Ross Anthony. Moment, der läuft auch mit?? War für eine Promi-Staffel, wie ich später rausfand. Ich HATTE aber auch einen guten Platz!!
  • Und der Herr Wowereit und der Jogi Löw haben den Startschuss gegeben. Oder nur einer der beiden? Egal. Ich hab sie gesehen. Von meinem tollen Platz aus ;-)
  • Was dann kam, fand ich einfach unglaublich. Der Strom der Menschen, die an mir vorbei liefen, riss ja gar nicht mehr ab! Und die wollten tatsächlich alle mal eben 42,195km laufen?? Im Ernst??
  • Ich hab nur den Start der ersten Startblöcke mitbekommen. Ich hatte nämlich einen straffen Zeitplan. Und der führte mich zurück zur Wohnung, aus der ich nun meine wahnsinnig SCHWERE Tasche holte. Und mich am Schöneberger Rathaus platzierte. Dort sollte die Spitze nämlich schon eine Stunde nach dem Start vorbei kommen.
  • Und sie kam auch – und wie!! Hier wurde mir erstmal bewusst, WIE schnell die Spitzenläufer eigentlich sind! Haile Gebrselassie flankiert von seinen Pacemakern schoss förmlich an mir vorbei. Wahnsinn!
  • Ich wollte wenigstens noch auf die erste Frau warten, bevor ich mich zurück zum Ziel begeben wollte. Und die kam auch in Person von Irina Mikitenko, cool!
  • Zurück zum Ziel. Mit der Tasche, furchtbar. Fand einen Platz kurz hinter dem Brandenburger Tor. Mit der großen Videoleinwand direkt vor mir, viel besser ging es nicht!
  • Gebrselassie auf Weltrekordkurs, Mikitenko auf Kurs für einen deutschen Rekord. Tolle Stimmung im Zielbereich! Die Spannung stieg! Und beide schafften es – Gänsehautatmosphäre!
  • Und dann war meine Speicherkarte voll *hmpf*
  • Fast noch schöner fand ich dann dein Einlauf der viiieeelen Freizeitläufer. Ich wäre gern noch viel länger dort geblieben, um auch die “Langsamen” noch anzufeuern. Aber ich musste zum Zug.
  • Der hielt dann noch die Überraschung für mich parat, dass der Wagen des ICE, in dem mein Platz reserviert war, gar nicht vorhanden war. Und ich so auf meiner Tasche im Gang sitzen durfte. Prima! Aber dafür waren wir pünktlich, was ja auch eher unüblich ist.
  • In Leipzig musste ich meine Tasche auch noch bis gaaaaanz weit nach draußen schleppen. Beim nächsten Mal buch ich mir ´nen Sherpa. Oder nehm ´nen Esel mit. Einen Masseur hätte ich auch gern, der idealerweise noch zum medizinischen Ersthelfer ausgebildet ist.

Und nun sitz ich hier, schreibe diesen Bericht und überlege, wie ich mit meinen “Kriegsverletzungen” heute eigentlich schlafen soll ;-) Das Verbandszeug kann ich beim besten  Willen nicht nochmal nehmen, und ohne kleben morgen vermutlich alle existierenden Flusen meiner Bettwäsche an den nässenden Schürfwunden. Aktuelle Bilder erspare ich der geneigten Leserschaft diesmal ;-) Gestern sah das irgendwie noch gesünder aus als heute… Und NEIN, ich werd wahrscheinlich auch beim nächsten Mal keine Schützer tragen – ich mag die einfach nicht.

Danksagungen

  • an Stephanie für das Überlassen ihrer Wohnung :-))
  • an Esther für das Ausleihen ihres Trinkrucksacks und ihrer Softshell-Jacke
  • an Ronny für das Ausleihen seiner Kreditkarte ;-)
  • an die netten Menschen von den Johannitern, die mich so freundlich versorgt haben
  • an meine Eltern, die das Zerkratzen der Kamera (beim Sturz passiert) nicht misbilligend erwähnt haben ;-)
  • und an alle, die mir die Daumen gedrückt haben, dass alles gut klappt

Fazit
Es gibt nur eins: Ich muss da wieder hin!!

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Kommentare:

  • Äschdor 29. September 2008 um 11:30

    Das klingt ja wirklich super! Da bekomme ich auch gleich Lust bei sowas mit zu
    machen, aber zuerst muss ich inlinern lernen! =] aber das wird schon!

  • Will Hofmann - Marathon 29. September 2008 um 20:03

    Freut mich, dass Du Dich gemeldet hast. Ich hoffe, das Du ist o.k.

    Ich fand
    unsere kurze Begegnung vor dem Schöneberger Rathaus sehr angenehm.

    Was ich Dir
    noch sagen wollte: Falls es Dich wieder mal nach Berlin zieht und Du nicht
    weißt, wo Du bleiben sollst – eine Unterkunft hätten wir.

    Viele Grüße

    - Will
    Hofmann

  • Markus 30. September 2008 um 18:11

    Meinen abermaligen Glückwunsch und Anerkennung!

    Seit wann sind eigentlich die
    beiden Metallkügelchen in deinen Gesicht??

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