Strongmanrun 2010

April 25, 2010  von Andrea  •  Laufen

Schon eine ganze Weile hatte ich die fixe Idee, irgendwann mal beim Fisherman´s Friend Strongmanrun teilzunehmen. 18 harte Kilometer, gespickt mit allerlei Hindernissen inklusive Klettern, Schlamm und Wasser. Der Lauf für dieses Jahr war schon lange abgehakt, da der Lauf wie üblich innerhalb kurzer Zeit ausgebucht war, und ich während der Anmeldefrist im letzten Herbst gerade im Urlaub weilte.

Als ich an einem lauschigen Abend im April plötzlich las, dass kurzfristig 100 Startplätze frei geworden sind, verselbständigten sich meine Finger, tippten ohne Interaktion mit meiner Vernunft alle persönlichen Daten in die Anmeldeformulare ein und drückten auf “Absenden”. Mein Gehirn realisierte erst ein paar Minuten später, was ich getan hatte: Nur eine Woche nach dem ersten Halbmarathon (der mir noch mächtig in den Knochen steckte) hatte ich mich freiwillig für diese Quälerei angemeldet – und die lag nur noch 7 Tage entfernt!

In einigen Interviews las ich Antworten von anderen Teilnehmern auf die Frage, warum sie teilnehmen:
“Weil ich bescheuert bin!”
“Weil es unheimlich Spaß macht!”
“Weil ich ein paar Grenzen austesten möchte.”
… und was es für mich wohl am besten trifft:
“Das frage ich mich auch!!”

Vorbereitung
An eine optimale Vorbereitung (Bergläufe, Krafttraining – besonders für die Beine, Abhärtung für kaltes Wasser, …) war in der Kürze der Zeit nicht zu denken. Somit beschränkten sich die wenigen Tage vor dem Lauf auf Regeneration: Ich machte einfach mal gar nichts. Bis auf das Besorgen von Energieriegeln, einer weiteren Knöchelbandage und dem Einpacken jeder Menge Mittelchen zur Wundversorgung war nicht viel zu tun.
18 Kilometer sollten irgendwie zu schaffen sein. Der Halbmarathon war mit 21 Kilometern etwas länger.

Anreise
Da vor chaotischen Verhältnissen mitten im Nichts an der holländischen Grenze gewarnt wurde, reisen wir frühzeitig an und befanden uns ausreichend früh auf dem Gelände. Gut geplant – eine große Anzahl an Läufern konnten nicht starten, weil sie schlicht und einfach im Stau feststeckten und nicht mehr pünktlich eintrafen!

Der Lauf

Hier gibt´s einen Streckenplan mit Erklärung der einzelnen Hindernisse.

  • Der Lauf startete mit einem gemütlichen Sonntagsspaziergang: Die ersten 1,6 Kilometer walzte sich ein Pulk von mehreren tausend Läufern über die Strecke. Im Schritttempo. Nun ja, so kann ich wenigstens mithalten.
  • Die ersten beiden Hindernisse bestanden aus mehreren aufeinander folgenden Bunkern. Die paaar Bunker hatte ich vorher als leicht machbar abgetan. Nach den ersten Überquerungen wäre ich dann am liebsten stehen geblieben.
  • Die ersten 3 Kilometer absolvierte ich in sagenhaften 45 Minuten.
  • Nach den ersten Sand-Hindernis folgte Black Sea: Hier musste zum ersten Mal Wasser durchquert werden. Das Laufen danach mit pitschnassen schweren Schuhen war… nun ja… etwas anstrengend ;-)
  • Das Schwimmen in 11 Grad kaltem Wasser war auch mal eine ganz neue Erfahrung. Für Nichtschwimmer gab es eine Pussylane – einen Umweg, der deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt. Aber wer will schon Pussy sein – also einfach schimmen ;-)
  • Sand, Sand, Sand… Erstaunlich, wie schnell man derartige Aggressionen gegen das Laufen im Sand entwickeln kann ;-)
  • Nach der ersten Runde traute ich meinen Augen kaum beim Blick auf die Zeit: Schon 1:59 Stunden unterwegs??? In diesem Moment schrieb ich das Zeitlimit von 3:30 ab. Ich fühlte mich schon mächtig fertig!
  • An den Verpflegungsstationen riss ich den Streckenposten förmlich alles aus der Hand, was es zu bieten gab. Auch als es in der zweiten Runde nur noch Cola gab – egal! Ich hätte ALLES genommen! Und so eine mit Schlammfingern in den Mund gestopfte Banane ist auch mal was Besonderes.
  • Das Überqueren der Bunker zog langsam aber sicher die letzte Kraft aus den Beinen.
  • Immer mehr Läufer gingen, lagen mit Krämpfen am Streckenrand oder gaben auf.
  • Und ich fragte mich immer wieder, warum ich mir das antue.
  • Irgendwann waren es nur noch 5 Kilometer: Ich erlebte eine Phase, in der ich einfach nur noch ankommen wollte. Egal wie. Obwohl sehr fertig, konnte ich noch einige Leute überholen.
  • Immer wieder erstaunlich, was man für so eine blöde Blechmedaille macht – aber die hat mich wirklich angespornt ;-)
  • Nach wahnsinnig langen 3:47:17 Stunden konnte ich diese Medaille auch entgegen nehmen :-) Nur konnte ich mich gerade gar nicht freuen, ich war einfach fix und fertig ;-)

 

Ergebnisse

  • Platz 349 von 601 Frauen
  • ca. 1.000 Männer hinter mir gelassen
  • Zeitlimit von 3:30 Stunden nicht erreicht – gelte damit als “failed”
  • die dreckigsten Schuhe meines Lebens gehabt
  • bis auf einen kräftigen Sonnenbrand, Blasen an den Füßen und wund geriebene Armen ohne Blessuren geblieben
  • zum ersten Mal Banane zusammen mit Schlamm verzehrt
  • zum ersten Mal in 11 Grad kaltem Wasser geschwommen
  • zum ersten Mal überhaupt diese Strecke bewältigt: Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Strecke ca. 23,5 Kilometer lang war! Hätte ich das gewusst, wäre ich wohl gar nicht angetreten…

Im nächsten Jahr nochmal? Vielleicht ;-) Ich stehe neben 5.000 anderen Leuten zumindest mal auf der Warteliste.

Hier gibt´s noch ein nettes Video:

Strongmanrun 2010

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Kommentare:

  • Mandy 28. April 2010 um 14:34

    nachdem ich DIESE bilder gesehen habe, bin ich einfach nur noch ne ecke stolzer
    auf dich, dass du DAS durchgehalten hast! *thumbs-up* :) liebe grüße – mandy

  • Matthias 29. April 2010 um 15:09

    Ach du Schreck – da ist ja der Kernberglauf selbst bei naßem Herbstwetter nix
    dagegen! So richtig nach Spaß sieht’s aber nur auf den Bildern vom Start aus …
    :-)

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