14.-15. Februar 2011 – Acatenango
März 1, 2011 von Andrea • Belize und Guatemala 2011Alles begann mit einer Postkarte. Auf dieser ist ein Wanderer zu sehen, der von der Spitze eines Vulkans aus auf einen gegenüberliegenden rauchenden Vulkan schaut. Wie so oft infiziert von einem Foto, setzte das „Das will ich auch!“-Gefühl ein.
Die Postkarte zeigte den Vulkan 3.976m hohen Acatenango mit Blick auf den Nachbarvulkan Fuego. Beide liegen bei Antigua im Süden Guatemalas. Im Gegensatz zu Acatenango ist Fuego derzeit aktiv und spuckt regelmäßig Feuer.
Touristen wird ausdrücklich davon abgeraten, allein im Umland von Antigua Touren zu unternehmen. Zu häufig kommt es zu Überfällen. Wir wenden uns also an die „Old Town Outfitters“, einen Tour Operator in Antigua. Am nächsten Tag sollte die 2-Tages-Tour starten: Aufstieg, Übernachtung auf dem Vulkan, und Abstieg. Auf die Frage, wie hart die Tour ist, lautet die Antwort: „Auf einer Skala von 1 bis 10 – eine 8.“. Auch die Website beschreibt die Tour als „The most intense 1 or 2 day volcano experience we offer, not for the faint hearted!! “
Wir hätten gewarnt sein sollen.
Acatenango-Tour Tag 1
Am Abend des ersten Tag lautet der erste Eintrag in meinem Reisetagebuch: „Mein Gott, was für ein Tag! Wer bitteschön kam auf die verrückte Idee, einen fast 4.000m hohen Vulkan zu besteigen!??“. Hätte ich gewusst, was mich erwartet, ich hätte die Tour nicht gemacht. Der Aufstieg ist unheimlich anstrengend. Steil, sandig, steil. Am meisten zu schaffen macht mir die Höhenluft. Ist ja auch kein Wunder: Wir sind so etwas nicht gewöhnt und waren noch vor wenigen Tagen auf Meeresspiegelhöhe in Belize. Ich habe mit Kopfschmerzen, leichtem Schwindel und ziemlich wackligen Beinen zu kämpfen. Beruhigend: Andere in der Gruppe leiden ebenso oder noch mehr. Die Ausblicke sind atemberaubend! Jede Pause tut gut und der Blick in die Landschaft entschädigt für die Mühen. Am Nachmittag wird die Vulkanspitze so in Wolken gehüllt, dass wir den Aufstieg bis ganz nach oben auf morgen verschieben. Wir steuern das Camp an und verbringen den Abend bei kühlen Temperaturen und dauerndem Nieselregen am Lagerfeuer.
Ein besonderes Erlebnis – und eine unruhige Nacht – bereitet uns Fuego, der Nachbarvulkan. Gibt er am Abend zunächst „nur“ ein lautes Grollen und Rumpeln von sich, werden wir die Nacht über wachgehalten: Fuego spuckt Fontänen Lava in die Luft, glühende Felsbrocken rollen seitlich des Kraters nach unten. So ein Phänomen von so Nahem erleben zu können – das hatten wir nicht erwartet. Die Nacht war also kurz, unruhig und kalt.
Acatenango-Tour Tag 2
Am nächsten Morgen werden wir schon sehr früh von Fernando geweckt. Die Aussicht hinunter ins Tal ist traumhaft: In leichter Dämmerung können wir hinunter bis nach Antigua schauen. Wir starten direkt mit dem Aufstieg in Richtung Gipfel. War es gestern schon anstrengend, so leide ich heute so richtig. Es ist steil, und vor allem die sandigen Abschnitte ziehen die Kräfte aus den Beinen. Dazu kommt der höhenbedingt etwas wacklige Kreislauf.
Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir den Gipfel. Wir haben etwas Pech: Wieder hüllt sich die Spitze des Acatenango in Wolken. Nur für einen kurzen Moment brechen die Wolken auf und wir können einen Blick hinüber auf Fuego werfen. Unheimlich befriedigend!
Auf fast 4.000 Metern Höhe ist es so richtig kalt! Es ist windig, der Boden ist vereist. Da wir so eine Tour nicht geplant hatten, fehlen mir Handschuhe und wärmere Sachen. Aber – egal! Wir sind auf dem Gipfel!
Unten beim Camp wartet Frühstück auf uns: Obst, Müsli, Joghurt, heiße Getränke. Mir ist es fast egal – ich würde alles hinunterschlingen. Mittlerweile ist es aufgeklart, so dass wir einen schönen Ausblick auf den rauchenden Fuego haben.
Der Abstieg hinunter ins Tal strengt noch einmal so richtig an. Wirklich erschöpft und durch den Sand und Staub so richtig verdreckt erreichen wir La Soledad, von wo aus wir den Rücktransport nach Antigua starten. Dort wird geduscht, gegessen – und anschließend 12 Stunden durchgängig geschlafen.
Im Nachhinein war es schon eine echt spontane Idee ;-) Wir Karibikurlauber klettern einfach mal auf einen der drei höchsten Vulkane Guatemalas. Aber die Anstrengung war es definitiv wert und mit einigem Abstand betrachtet würde ich es wieder tun.



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