3.-8. Februar 2011 – El Mirador
März 1, 2011 von Andrea • Belize und Guatemala 2011Die El Mirador-Tour war von Beginn an als zentraler Punkt im Urlaub geplant. El Mirador ist die größte bisher entdeckte Metropole der Maya und ist nicht an ein Straßennetz angebunden. Zum Besichtigen muss somit eine etwa 100 km lange Wanderung durch den Dschungel Guatemalas zurückgelegt werden.
Wir fahren per Bus von Belize City direkt nach Flores in der Provinz Petén, Guatemala. Dort haben wir als Anlaufpunkt das Hostel „Los Amigos“ auserkoren. Meine Bedenken, dass wir es nicht finden würden, erwiesen sich als unbegründet: Das Hostel ist allen Taxifahrern ein Begriff und ein beliebter Anlaufpunkt für Backpacker.
Wir mieten uns ein 2-Bett-Zimmer in einer Art Baumhaus direkt über der Küche. Am nächsten Morgen sollten wir wie frisch frittiert riechen.
Es werden in der Regel zwei verschiedene Touren nach El Mirador angeboten: 5 Tage mit gleichem Hin- und Rückweg oder 6 Tage als Rundtour. Die 6-Tages-Tour hatte es uns von vornherein angetan. Dazu wünschen wir uns einen Englisch-sprechenden Guide. Diese Kombination ist allerdings nicht einfach zu bekommen.
Doch wir haben Glück: Zwei junge Holländer, Daan und Zoe, haben genau die gleichen Wünsche. Und so können wir eine Tour direkt für den nächsten Morgen buchen – perfekt!
Tag 1: Carmelita – Tintal
Wir werden gegen 6.30 Uhr in Flores von unserem Taxi abgeholt. Mit uns starten noch zwei Franzosen und zwei Tschechen, die alle 5-Tages-Tour gebucht haben. Der Weg führt uns ins etwa 100 km entfernte Dorf Camelita. Aufgrund der extrem schlechten Straßenverhältnisse dauert die Fahrt mehrere Stunden. Auf dem Weg sammeln wir noch Julian ein, unseren Übersetzer vom Spanischen ins Englische. Ziemlich durchgeschüttelt und misstrauisch beäugt von bewaffneten Kontrolleuren erreichen wir unser Ziel. Dort lernen wir unseren Guide José kennen. Maultiere werden mit Proviant und Zelten bepackt – und dann geht es los.
Zelte, Proviant und vor allem Trinkwasser wird von den Maultieren getragen, persönliche Sachen und den Tagesvorrat an Wasser trägt jeder selbst.
Das Tempo ist am ersten Tag ziemlich hoch, so dass wir gut ins Schwitzen kommen. Aber der Weg ist recht einfach zu gehen, auch ist die Luftfeuchtigkeit nicht so hoch wie befürchtet. Am Nachmittag werden wir von einem starken Regen überrascht, wohl sehr unüblich für die Jahreszeit. Direkt danach besteigen wir unseren ersten Tempel: Den der Maya-Stadt Tintal. Nach dem Regen steigen Dampfschwaden aus dem Dschungel um uns herauf. Wir sehen einen Tukan, hören die ersten Brüllaffen und genießen die Dschungelgeräusche um uns herum.
Der Abend verläuft twas ernüchternd: Unser Tour-Operator Carlos hat nur zwei kleine Zweimannzelte für uns acht Wanderer eingepackt. Zum Glück gibt es im Camp von Tintal ein Viermannzelt, in dem die vier Jungs schlafen. Uns beiden Pärchen werden glücklicherweise die beiden Zweimannzelte zur Verfügung gestellt. Die Zelte sind alle in schlechtem Zustand, Matten und Decken nicht sonderlich sauber und etwas muffig. Aber das ist das Abenteuer!
Der Abend endet mit gemütlichem Abendessen (Hühnchen, Reis, Gemüse) in früh einsetzender Dunkelheit und erneutem starken Regen.
Tag 2: Tintal – El Mirador
Wir werden bereits um 5 Uhr geweckt, lange vor Sonnenaufgang. Alle sind recht verschlafen. Nach dem Frühstück (Rührei, Tortillas, Bohnenbrei), einer Verewigung im Gästebuch und dem Packen der Zelte starten wir in Richtung El Mirador. Schon bald tauchen die ersten überwucherten kleineren Ruinen auf. Wir legen mehrere Pausen ein, in denen wir meist mit Toastbrot, Sandwich-Käse und anderen Belägen versorgt werden.
Die erste richtige Attraktion ist „Grupo la Muerta“. Große Ruinen zum Besichtigen, Höhlen mit Riesenspinnen und eine willkommene Pause. Schon wenig weiter erreichen wir das El Mirador-Camp. Direkt am Camp ist wenig zu sehen, die Ruinen befinden sich weiter weg im Dschungel und werden von uns erst später besichtigt.
Zunächst muss wieder das Zeltproblem gelöst werden. Julian „has found another tent, but it has a problem“: Ein kaputter Reißverschluss. Diese wird in akribischer Kleinarbeit uns repariert, um den Bewohnern in der Nacht Moskito-Schutz zu bieten.
Zum Abendessen gibt es heute Spaghetti mit Tomatensauce und warme Tortillas. Bei Kerzenschein verbringen wir noch einen gemütlichen Abend.
Tag 3: El Mirador
Heute steht ein kompletter Tag in El Mirador auf dem Programm. Doch zuvor ein tolles Frühstück: Cornflakes mit Milchpulver und Pancakes mit Honig, Toll!
Insgesamt wäre es wirklich gut, Spanisch zu können. Der Guide erzählt sehr ausführliche Geschichten, die nur zur einem Bruchteil auf Englisch bei uns ankommen. Aber auch so sind die Sehenswürdigkeiten sehr beeindruckend! Wir besteigen die höchste Pyramide, La Danta, und besichtigen den Tempel Garra del Jaguar. Wir sind gerade die einzige Wandergruppe und haben alle Sehenswürdigkeiten für uns allein. Mir fällt es ab und zu schwer, mir die Stadt so richtig vorzustellen. Oft ist nur ein bewachsender Hügel mitten im Dschungel zu sehen, den man sich dann als Gebäude vorstellen muss.
Der Abend bietet noch ein echtes Highlight: Wir verfolgen den Sonnenuntergang von der Spitze des „El Tigre“, einem der großen Tempel El Miradors. Was für ein Erlebnis! Um uns herum nichts als der weite Dschungel mit seinen beeindruckenden Geräuschen!
Ein weiteres Highlight ist die Dusche, die man für 10 Quetzales nutzen kann: Ein Wassereimer an einem Strick. Ich hab mich selten so frisch gefühlt :-)
Die Nacht ist sehr unruhig. Brüllaffen sind ganz in der Nähe des Camps und melden sich lautstark über mehrere Stunden zu Wort. Die Nächte sind generell recht kühl. Ich friere meist und bin froh über die muffigen Decken.
Tag 4: El Mirador – Nakbe
Heute trennen sich die beiden Gruppen auf. Zu viert ergänzt durch José und Julian gehen wir in Richtung Nakbe, während der Rest den Rückweg antritt. Eine kurze Etappe wartet auf uns. In Nakbe werden wir nach kurzer Verschnaufpause herumgeführt – auch hier handelt es sich um eine Maya-Siedlung. Und die ist größer als erwartet. In der Erwartung einer kurzen Tempelbesteigung nehmen wir weder Wasser noch Proviant mit und sind so nach der Rundtour entsprechend geschafft.
Vom Tempel aus können wir wieder den Sonnenuntergang verfolgen. Heute mit kleinerer Gruppe sogar noch ruhiger und angenehmer.
Eine Besonderheit gibt es im Nakbe-Camp noch: Bei den ohnehin schon immer recht einfachen Toiletten wurde diesmal auch noch die Tür eingespart.
Tag 5: Nakbe – La Florida
Das längste Teilstück ist tatsächlich anstrengend. 5 Uhr starten wir unsere 33 km lange Wanderung bei warmen Temperaturen und etwas schwieriger zu gehendem Weg. Aber sportliche Höchstleistungen werden trotzdem nicht verlangt – mit normaler Grundfitness ist die Tour gut zu meistern. Nachdem wir in den ersten Tagen recht zügig unterwegs waren, werden wir nun doch etwas langsamer. José nimmt das mit einem Grinsen zur Kenntnis.
In La Florida entdecken wir neben rekordverdächtigen Blasen alle mehrere Zecken an uns – die Freude hält sich wahrlich in Grenzen. Dazu ist nun auch der Reißverschluss eines unserer Zweimannzelte kaputt gegangen. Wie gesagt- die Ausrüstung ist in keinem guten Zustand. Aber wir müssen nur noch eine Nacht durchhalten und behelfen uns mit notdürftigen Moskitonetzen.
Tag 6: La Florida – Carmelita
Das letzte Teilstück. Wir sind froh und stolz, es geschafft zu haben! Wir hoffen, möglichst gleich nach Flores aufbrechen zu können. 10 Uhr soll uns der Kleinbus wieder abholen. Allerdings gibt es hier ein Problem, das ich hier aus meinem Reisetagebuch zitiere:
- 9.45 Uhr: Carlos, der Tour-Operator, lässt uns mitteilen, dass er keinen Kleinbus schickt. Wir sollen mit dem öffentlichen Bus um 12.30 Uhr fahren.
- 10 Uhr: Uns wird mitgeteilt, dass der öffentliche Bus nicht sehr zuverlässig fährt.
- 10.15 Uhr: Anruf bei Carlos: Sollte der Bus nicht kommen, schickt er uns einen Van.
- 10.30 Uhr: Der öffentliche Bus fährt heute nicht. Und nun? Wir sitzen hier mehrere Stunden weit weg von Flores!
- 10.45 Uhr: „Something will arrive in 20-30 minutes“. Aha. Wir werden sehen!
- 11.10 Uhr: Es kommt tatsächlich ein Auto!! Und zwar ein Truck. Mit einer Ladefläche.
Dazu meint Daan treffend: „I thought the hike through the jungle would be the adventure, but actually the way back to Flores is the real one!”
Dem kann ich nur zustimmen. Auf Wassercontainern sitzend werden wir stundenlang durch die Gegend gefahren und dabei so durchgeschüttelt, dass wir a) mehrere blaue Flecken davontragen und b) ziemlich seekrank werden. Letztlich erreichen wir wieder Flores, wo wir uns eine wohlverdiente Dusche und ein tolles Abendessen gönnen.








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